Man wearing glasses and a red lanyard works on a laptop at a desk in a busy media room, with water bottles, cables and other journalists nearby.

Fünf Jahrzehnte am Judo-Pressetisch

Der österreichische Journalist Josef „Jo“ Langer dokumentiert Judo seit mehr als fünf Jahrzehnten. Von großen Meisterschaften bis zu den stilleren Momenten, die die Gemeinschaft prägen, hat er den Sport begleitet. Seit 1975 berichtete er von mehr als 20 Weltmeisterschaften und zählt damit zu den engagiertesten Chronisten des Judo.

Seine erste Weltmeisterschaft erlebte Langer in seiner Heimat Österreich, in Wien. Besonders in Erinnerung blieb ihm, wie Jean-Luc Rougé als erster Franzose Weltmeister wurde. Auch bei der ersten Frauen-Weltmeisterschaft in New York war er vor Ort, als Österreich mit drei Goldmedaillen den Medaillenspiegel anführte.

1984 kehrten die Weltmeisterschaften nach Wien zurück, und Langer übernahm die Leitung des Pressebereichs. Die Weltmeisterschaft in Lausanne 2028 soll nach seinen Angaben seine letzte als Journalist werden. Seine Begeisterung für den Sport dürfte mit dem Ruhestand jedoch nicht nachlassen.

Jo Langer begleitet die größten Judo-Bühnen seit den 1970er-Jahren.

Zum Judo fand Langer, weil er über eine andere Sportart berichten wollte. Während Fußball und Skisport die österreichische Medienlandschaft beherrschten, reiste er 1974 zum Ungarischen Cup nach Budapest. Seine Ankunft überraschte die Verantwortlichen vor Ort, doch der Sport faszinierte ihn sofort. Zwei Jahre später stand er selbst auf der Tatami; heute trägt er den 2. Dan.

Für Langer bestehen die stärksten Geschichten nicht allein aus Medaillenlisten. Bis heute erinnert er sich an Shōzō Fujiis Sieg über Bernard Tchoullouyan in Paris, nach dem sich das Publikum zum Applaus erhob. Fujii kniete anschließend auf dem Podium nieder, küsste es und weinte – ein Bild, das den österreichischen Journalisten noch immer bewegt.

Er hebt auch Judoka hervor, deren Erfolge weniger Beachtung finden als olympische oder Weltmeistertitel. Vitaly Pesnyak, Europameister und Weltmeisterschaftsmedaillengewinner, gehört für ihn dazu. Nach Langers Einschätzung zählte der Russe zu den stärksten Kämpfern seiner Gewichtsklasse, auch ohne den größten Titel gewonnen zu haben.

Zu den europäischen Größen, die Langer bewundert, zählen Jean-Luc Rougé, David Douillet, Teddy Riner, Ingrid Berghmans, Loretta Cusack-Doyle und Neil Adams. Er erinnert sich zudem an seine Begegnung mit Anton Geesink, dem niederländischen Wegbereiter, der 1964 in Tokio als erster Nicht-Japaner olympisches Judo-Gold gewann. Langer beschreibt Geesink als beeindruckende, zugleich sehr menschliche Persönlichkeit.

Im Interview aus Baku schilderte Langer seine Arbeit für den Judo-Verband Wien und seine Rolle im Exekutivkomitee der Internationalen Sportpressevereinigung AIPS. Während der Weltmeisterschaften 2026 arbeitete er im Presseraum, machte Notizen und verfolgte die Wettkämpfe auf dem Bildschirm.

Für ihn reicht die Anziehungskraft des Judo seit jeher über den Wettkampf hinaus. Er schätzt den Respekt und die ethische Dimension des Sports, auch wenn sich dessen Präsentation im Lauf der Jahre stark verändert hat. Das Format hat sich gewandelt, doch die grundlegenden Werte des Judo sind nach Langers Überzeugung erhalten geblieben.

Für Jo Langer bietet jede Meisterschaft weiterhin Gelegenheit, dazuzulernen und Erinnerungen zu bewahren.

Quelle: IJF.org

Bildquelle: IJF / International Judo Federation

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