Austria’s Juniors Face a Double Test in Graz - Image: EJU / European Judo Union

Österreichs Junioren stehen in Graz vor einer doppelten Prüfung

Österreichs junge Judoka reisen mit mehr als nur Wettkampfdruck auf den Schultern zum Junior European Cup nach Graz. Für Helena Rottenhofer, Marlene Schinwald, Felix Einfinger und Michael Pröll folgt dieses Judo-Wochenende direkt auf den schriftlichen Teil ihrer Matura, während die mündlichen Prüfungen erst nächste Woche anstehen.

Diese ungewöhnliche Mischung aus Stress und Ehrgeiz verleiht dem Heimturnier eine sehr menschliche Note. Sie bereiten sich nicht nur darauf vor, vor Familie und Freunden zu kämpfen, sondern jagen bei einem der stärksten Juniorenturniere der Saison auch wichtige Qualifikationskriterien für die Junioren-Europameisterschaften. Schinwald ist in dieser Gruppe die Ausnahme, da sie beide Qualifikationsstandards bereits erfüllt hat.

Für einige von Österreichs Junioren ist Graz gleichzeitig eine sportliche und eine schulische Prüfung.

Die Herausforderung lässt sich einfach beschreiben und ist im Alltag viel schwerer zu bewältigen: jetzt auf der Tatami Leistung bringen, dann ins Klassenzimmer zurückkehren und die Schule beim ersten Versuch erfolgreich abschließen. Wenn alles zusammenpasst, könnten diese Athletinnen und Athleten später in diesem Jahr ohne unnötige Verzögerungen ihre sportliche Laufbahn als Sportsoldaten beginnen.

Österreichs Junioren-Nationaltrainer Michael Winkler und Sportdirektor Markus Moser machten deutlich, dass diese Situation dem System vertraut ist, auch wenn sie für die Athletinnen und Athleten selbst neu ist. Ihre Botschaft war ruhig, aber realistisch. Die Umstände sind anspruchsvoll, und es wird an diesem Wochenende keinen einfachen Weg geben.

Graz dürfte eines der bisher größten Junior-European-Cup-Turniere werden. Laut Moser haben 676 Judoka aus 34 Nationen gemeldet, womit die Erwartungen der Organisatoren übertroffen wurden. Er sagte, dass zusätzliche Hotelzimmer organisiert werden mussten, und bezeichnete Graz auf Grundlage der Teilnehmerzahlen als die klare Nummer eins unter den Austragungsorten von Junior-European-Cup-Turnieren.

Diese Größe spielt auch sportlich eine Rolle. Winkler wies darauf hin, dass Österreichs 51-köpfiges Team auf ein Feld mit großer Dichte und hoher Qualität treffen wird. Um den Finalblock zu erreichen, könnten mindestens drei Siege nötig sein, in den größten Gewichtsklassen sogar bis zu sechs. Für Athletinnen und Athleten, die zugleich Prüfungen und einen reduzierten Trainingsumfang bewältigen müssen, steigt der Schwierigkeitsgrad dadurch noch weiter.

Rottenhofer, Schinwald, Einfinger und Pröll wurden ausdrücklich als Athletinnen und Athleten genannt, die derzeit neben der Wettkampfvorbereitung auch mit dem Druck der Abschlussprüfungen umgehen müssen. Winkler versuchte die Herausforderung nicht zu verbergen und sagte, die Vorzeichen seien nicht besonders günstig. Gleichzeitig unterstrich er eine Grundwahrheit des Spitzensports: Leistungssportler müssen lernen, genau mit solchen Momenten umzugehen.

Österreich geht dennoch mit einer ermutigenden jüngeren Bilanz in das Turnier. In den vergangenen vier Jahren hat Judo Austria in Graz 11 Medaillen gewonnen. Dennoch nutzten weder Moser noch Winkler diese Zahlen als Garantie. Moser sagte, das Ziel bleibe, zumindest eine Medaille zu gewinnen, betonte aber zugleich, dass dieses Jahr auf dem Papier schwieriger aussehe als die jüngsten Ausgaben.

Graz ist nicht nur ein Heimturnier, sondern ein ernsthafter Schritt in Richtung Junioren-Europa- und Weltmeisterschaften.

Hinter diesem Wochenende steht auch ein größeres Bild. Winkler bezeichnete den heimischen U21-Europacup als wichtige Gelegenheit, das aktuelle Niveau von Österreichs jungem Team zu messen, und als wertvolle Generalprobe für die kommenden Junioren-Europa- und Weltmeisterschaften. In diesem Sinn ist Graz mehr als ein Ergebnisblatt. Es ist ein Kontrollpunkt, ein Drucktest und für manche ein Wendepunkt zwischen Schulleben und Hochleistungssport.

Deshalb fühlt sich diese Veranstaltung anders an. Für Österreichs Junioren führt der Weg nach vorn vom Prüfungstisch auf die Tatami und dann direkt wieder zurück.

Quelle: EJU.net

Bildquelle: EJU / European Judo Union

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