Giulia Quintavalle: Der Außenseiter-Moment, der Olympia schockte
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Am 11. August 2008 schrieb Giulia Quintavalle in Peking ein Kapitel, mit dem kaum jemand gerechnet hatte. Die Italienerin sicherte sich im U57kg-Limit die olympische Goldmedaille und bezwang im Finale die routinierte Niederländerin Deborah Gravenstijn. Aus einer Athletin, die selten zu den Topfavoritinnen gezählt wurde, wurde an diesem Tag plötzlich das Gesicht eines der größten Überraschungscoups im olympischen Judo.
Quintavalle hatte bis dahin eine Karriere mit vielen starken, aber oft unvollendeten Auftritten hinter sich. Sie war 2004 und 2005 italienische Meisterin geworden und hatte 2007 bei den Weltmeisterschaften in Rio de Janeiro Rang fünf erreicht. Diese Resultate zeigten ihr Potenzial, doch auf der ganz großen Bühne war der ganz große Durchbruch lange ausgeblieben. In Peking zahlte sich ihre Ausdauer endlich voll aus.
Ein goldener Tag machte Giulia Quintavalle zur Legende des europäischen Judo.
Aufgewachsen in einer sportlichen Familie begann sie schon mit fünf Jahren gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Michel mit Judo, motiviert durch ihren älteren Bruder Manuel. Auf den heimischen Tatami in Italien formte sich früh ihr Kampfgeist, der später zu ihrem Markenzeichen wurde. International traf sie im U57kg-Feld immer wieder auf Weltklassegegnerinnen und entwickelte sich so an der Spitze Europas.
Ihre Duelle mit der Österreicherin Sabrina Filzmoser waren besonders intensiv und zeigten, wie hoch das Niveau im europäischen Frauenjudo war. Auch gegen die spanische Olympiasiegerin Isabel Fernández, die Rumänin Corina Caprioriu, Portugals Star Telma Monteiro und die Französin Automne Pavia lieferte sie sich harte Kämpfe. Viele Turniere endeten für sie knapp hinter den Podiumsplätzen, sogar bei den Olympischen Spielen 2012 in London landete sie erneut auf Rang fünf.
Nach ihrer Schwangerschaft kehrte sie mit derselben Entschlossenheit zurück und schaffte erneut die Olympiaqualifikation. Zudem führte sie Italien 2010 zum Titel bei den Europameisterschaften mit der Mannschaft in Wien – ein weiterer starker Moment für das europäische Judo. Heute arbeitet Quintavalle im Rahmen der IJF Academy, wo sie ihr Wissen an Trainerinnen und Trainer weitergibt, die ihre IJF-Lizenz erwerben wollen. Ihre Goldmedaille von 2008 bleibt ein Symbol dafür, dass Durchhaltevermögen und Glaube an sich selbst auch Außenseiter ganz nach oben bringen können.
Quelle: JudoInside