German Judo Says Goodbye to Longtime Coach Han Ho San - Image: IJF / International Judo Federation

Der deutsche Judo-Sport nimmt Abschied von Langzeittrainer Han Ho San

Han Ho San, eine der prägenden Persönlichkeiten des deutschen Judo-Sports, ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Die International Judo Federation und die deutsche Judo-Gemeinschaft trauern um einen Mann, dessen Arbeit den Sport in Deutschland über Jahrzehnte geprägt hat.

Sein Einfluss entstand mit der Zeit, nicht in einem einzigen Moment. Von 1965 bis zu seinem Ruhestand Ende 2000 war Han für den Deutschen Judo-Bund als Nationaltrainer tätig, betreute mehrere Generationen von Athletinnen und Athleten und trug zu Erfolgen bei Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften und Europameisterschaften bei.

Allein diese Dauer seines Wirkens ist bemerkenswert. 1993 ernannte ihn das DJB-Präsidium zum Cheftrainer, und als er sieben Jahre später in den Ruhestand ging, war er der am längsten amtierende Nationaltrainer im Deutschen Sportbund. Das war ein außergewöhnlicher Meilenstein, doch sein Ruf beruhte auf mehr als Titeln oder Rekorden.

Sein Vermächtnis im deutschen Judo wurde in Jahrzehnten gemessen, nicht nur in Medaillen.

Geboren in Südkorea, hatte Han Ho San bereits vor seinem Umzug nach Deutschland ein starkes Judo-Fundament aufgebaut. Er machte 1957 seinen Abschluss an der Yong Chong High School und erwarb später 1961 einen Architekturabschluss an der Hong Ik University. Im selben Jahr erzielte er auch sein bestes internationales Ergebnis als Wettkämpfer und belegte bei den Weltmeisterschaften 1961 in Paris den fünften Platz.

1962 zog er nach Deutschland und trat 1965 in die Trainerstruktur des DJB ein. Es folgte ein 35-jähriger Weg, auf dem er zu einer festen Größe im deutschen Judo wurde, zunächst als Trainer, der Athletinnen und Athleten zu Leistungen auf höchstem Niveau verhalf, und später als Mentor für Trainer und Judoka im ganzen Land.

1974 wurde Han deutscher Staatsbürger und machte Deutschland zu seiner Heimat; viele Jahre lebte er in Kerpen. Mit der Zeit entwickelte sich auch seine Rolle weiter, gemeinsam mit dem Sport selbst. Während sich das internationale Judo über die Jahrzehnte veränderte, blieb sein Einfluss beständig, getragen von Erfahrung, Bildung und einem tiefen Verständnis der Werte des Judo.

Sein Beitrag wurde mehrfach offiziell gewürdigt. Bei den Weltmeisterschaften 2001 in München verabschiedete der Deutsche Judo-Bund seinen langjährigen Trainer offiziell und ernannte ihn zum Ehrennationaltrainer. 2004 erhielt er das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, eine der höchsten Auszeichnungen des Landes.

Auch IJF-Präsident Marius Vizer würdigte ihn und hob Han Ho Sans lebenslange Hingabe an das Judo, seinen Status als 9. Dan und seine Bedeutung sowohl als Trainer als auch als angesehener Judoka hervor. Die Botschaft unterstrich einen Punkt, den viele im Sport bereits kannten: Han Ho Sans Einfluss lässt sich nicht allein auf Resultate reduzieren.

Er half dabei, Generationen deutscher Athletinnen und Athleten, Trainer und Judo-Werte miteinander zu verbinden.

Vom jungen koreanischen Athleten, der Fünfter der Welt wurde, bis zum Nationaltrainer, der das deutsche Judo 35 Jahre lang mitprägte, führte Han Ho Sans Leben über Länder, Kulturen und Epochen des Sports hinweg. Für viele macht genau das diesen Verlust so bedeutend.

Sein Vermächtnis lebt in den Athletinnen und Athleten weiter, die er betreute, in den Trainern, die er beeinflusste, und in dem Wissen, das er in einem dem Judo gewidmeten Leben weitergab.

Quelle: IJF.org

Bildquelle: IJF / International Judo Federation

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