Goldener Score, eiserner Griff: Wie Sumiya Dorjsuren zur Ikone der U57kg wurde
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Sumiya Dorjsuren steht wie kaum eine andere für den Aufstieg der mongolischen Frauen im Judo. Über mehr als ein Jahrzehnt war sie in der Klasse U57kg eine feste Größe: ausdauernd, taktisch klug und immer bereit, sich in lange Kämpfe zu verbeißen. Am Mittwoch wurde sie 35 Jahre alt.
Ihre internationale Geschichte begann 2009, und schon früh fiel sie als unermüdliche Athletin auf. Bevor sie im Judo ganz oben ankam, hatte Dorjsuren ihre Stärke im Grappling bereits im Sambo bewiesen: drei Weltmeistertitel in Folge 2012, 2013 und 2014. Diese Basis prägte ihre kraftvollen Griffduelle und ihre Widerstandsfähigkeit, wenn ein Kampf zäh und lang wurde.
Bei den Weltmeisterschaften setzte sie Schritt für Schritt Ausrufezeichen. 2015 in Astana und 2018 in Baku holte sie jeweils Bronze, doch auch Rückschläge gehörten dazu. Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio war sie dem größten Triumph nah, am Ende blieb „nur“ Silber. Statt sie zu bremsen, wirkte dieses Ergebnis wie ein zusätzlicher Antrieb.
Manche Karrieren kippen an einer Niederlage – ihre wurde dadurch schärfer.
2017 kam der Höhepunkt in Budapest. Im WM-Finale gegen Japans Tsukasa Yoshida entwickelte sich ein intensiver Golden-Score-Krimi, bei dem keine Seite nachgab. Dorjsuren hielt den Druck, blieb geduldig und fand schließlich die entscheidende Wertung, um Weltmeisterin zu werden.
Auch abseits der WM lieferte sie ab: drei Siege in Folge beim IJF World Masters inklusive 2016 sowie ein weiterer Titel 2017 in St Petersburg. 2017 gewann sie zudem den Grand Slam in Abu Dhabi und bezwang dabei Brasiliens Rafaela Silva in einem viel beachteten Rematch.
Aus europäischer Sicht zeigte sich ihre Klasse vor allem in den Rivalitäten: Gegen Hélène Receveaux und Miryam Roper stand sie immer wieder auf der Matte, in einer Phase, die die U57kg besonders eng und hart umkämpft machte. Zwischen 2015 und 2018 führte Dorjsuren zudem die IJF World Ranking-Liste an und blieb international bis 2021 aktiv – als Symbol dafür, wie mentale Stärke olympische Enttäuschung in WM-Gold verwandeln kann.
Quelle: JudoInside