Shirine Boukli über Burnout, Druck und die Freude am Judo auf der Tatami
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Shirine Boukli gehört zu den erfolgreichsten Judoka Europas, doch ihr jüngster Auftritt im JudoPod zeigt eine Seite des Spitzensports, die Medaillen nicht immer sichtbar machen. Die Olympia-Bronzemedaillengewinnerin, Vizeweltmeisterin und fünffache Europameisterin sprach offen über die Denkweise, die sie im Wettkampf antreibt, über das Burnout, das sie nach den Olympischen Spielen erschütterte, und darüber, wie sie ihre Verbindung zum Judo neu aufgebaut hat.
Für viele Fans strahlt Boukli Energie, Selbstvertrauen und Stil aus. Auf der Tatami übernimmt nach ihren Worten jedoch eine ganz andere Version ihrer selbst. Im Interview erklärt sie, wie sie durch Jahre auf höchstem Niveau ein „Alter Ego“ für den Kampf entwickelt hat und mit ständigem Selbstgespräch vor und während der Kämpfe wach bleibt und die Aggressivität hervorholt, die auf Topniveau nötig ist.
Diese Wettkampfhärte entstand nicht über Nacht. Boukli führt sie auf Trainingseinheiten in ihrer Kindheit mit ihrem Vater zurück, in denen sie sich unbedingt beweisen wollte. Diese frühen Erfahrungen prägten eine Haltung, die sie bis heute auszeichnet: Niederlagen tun weh, aber darin stecken zu bleiben, bringt nichts.
Der eindrücklichste Teil ihrer Geschichte ist das, was nach den Olympischen Spielen geschah. Boukli beschreibt eine Zeit, in der sowohl Körper als auch Geist zu kämpfen hatten. Das Training fühlte sich nicht mehr sinnvoll an, die Motivation schwand, und sie begann, ihren Platz auf der Tatami infrage zu stellen.
Anstatt sich noch tiefer in diesen Zustand hineinzuzwingen, trat sie aus dem Elitealltag heraus. Über Brazilian Jiu-Jitsu fand sie zu einer Anfängermentalität zurück, trainierte mit Jugendlichen in einem regionalen Zentrum und arbeitete ohne das Gewicht der Erwartungen. Dieser Neustart half ihr, etwas zurückzugewinnen, das sie verloren glaubte: die Freude am Lernen und daran, Sport einfach wieder zu genießen.
Bouklis Geschichte handelt nicht nur von Medaillen, sondern davon, ihr inneres Feuer wiederzufinden.
Diese neue Perspektive wurde auf dem Weg zu ihrem fünften Europameistertitel auf die Probe gestellt. In einem fordernden Golden-Score-Finale hielt Boukli konsequent an ihrem taktischen Plan fest, kontrollierte die Griffwechsel und weigerte sich, von ihrer Strategie abzuweichen. Der Sieg kam durch Strafen, nicht durch den Wurfabschluss, von dem viele träumen.
Aussagekräftig ist dabei vor allem ihre Reaktion. Selbst nachdem sie mit fünf Europatiteln den französischen Rekord eingestellt hatte, ging Boukli eher frustriert als wirklich zufrieden aus dem Wettkampf. Ihre Maßstäbe gehen über das reine Ergebnis hinaus. Für sie zählt auch die Art des Sieges, ein Detail, das viel über den Perfektionismus sagt, mit dem sie weiter ringt.
Außerhalb des Wettkampfs baut Boukli erkennbar an mehr als nur einer Judo-Karriere. Nur einen Tag nach ihrer Rückkehr von den Europameisterschaften schloss sie ihr Studium im internationalen Management ab. Außerdem verfolgt sie weiterhin Interessen in Mode und Beauty und zeigt damit, wie verschiedene Seiten ihrer Persönlichkeit neben der Intensität des Elite-Kampfsports bestehen können.
Auch im Ramadan prägt ihre Disziplin ihr Training. Während des Fastens arbeitet sie weiterhin zweimal täglich und versucht, Ernährung, Regeneration und Leistung so sorgfältig wie möglich auszubalancieren.
Selbst an der Spitze besteht Boukli darauf, dass Sport sich noch immer wie Spiel anfühlen sollte.
Im gesamten Gespräch ist Bouklis zentrale Botschaft einfach und kraftvoll. Erfolg, Druck und Erwartungen können das Leben einer Athletin leicht vollständig bestimmen, doch dauerhafte Leistung hängt davon ab, sich daran zu erinnern, warum der Weg überhaupt begonnen hat. In ihrem Fall könnte das Wiederentdecken dieser Freude genauso wichtig gewesen sein wie jede Medaille.
Quelle: IJF.org
Bildquelle: IJF / International Judo Federation
Quelle: Fighting Lifestyle
Bildquelle: IJF / International Judo Federation