Wenn der Kopf nicht mitspielt: Warum Gehirnerschütterungen im Judo mehr Aufmerksamkeit brauchen
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Judo steht für Technik, Timing und Respekt – aber auch für Kräfte, die man auf den ersten Blick unterschätzt. Eine der am häufigsten übersehenen Verletzungen im Spitzenjudo ist die Gehirnerschütterung. Die jüngsten Gespräche rund um das mögliche Comeback der Olympiamedaillengewinnerin Ronda Rousey haben das Thema wieder nach vorn geschoben: Beschwerden können noch lange nach dem letzten Wettkampf nachhallen.
Rousey, olympische Bronzemedaillengewinnerin im Judo und später globaler Star im Mixed Martial Arts, berichtete offen über wiederkehrende Symptome. Nach ihrer eigenen Schilderung reichten irgendwann schon leichtere Einwirkungen, um Probleme mit Sehen, räumlicher Wahrnehmung und Konzentration auszulösen. Später deuteten Ärztinnen und Ärzte an, dass manche Episoden auch mit einer Migräne-Aura zusammenhängen könnten – etwas, das einer Gehirnerschütterung sehr ähnlich wirken kann.
Eine Gehirnerschütterung ist nicht immer offensichtlich – und nicht immer eindeutig.
Dass Kopfbelastungen im Judo real sind, zeigt ein bekanntes Beispiel aus Europa: Beim Grand Prix in Düsseldorf 2015 erzielte Travis Stevens mit einem spektakulären Uchi-mata gegen Alain Schmitt Ippon. Doch direkt danach wirkte Stevens selbst benommen; in der Zeitlupe war zu sehen, dass sein eigenes Knie seinen Kopf getroffen hatte. Genau solche Momente machen klar, wie schnell es gehen kann – auch ohne Schlag.
Auch aus der Forschung kommt europäischer Input: Dr. Christophe Lambert und Dr. med. Ralph Akoto, beide frühere deutsche Top-Judoka, ordnen Gehirnerschütterungen als eine der häufigeren Verletzungen im Hochleistungsjudo ein. Auf der Matte zählt deshalb das schnelle Erkennen: Orientierungslosigkeit, Gleichgewichtsverlust, Verwirrung oder ein leerer Blick sind Warnzeichen, ebenso Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erinnerungslücken.
Besonders gefährlich ist ein zu frühes Comeback. Lambert räumte ein, früher manchmal schon nach ein bis zwei Tagen wieder trainiert zu haben, sobald der Kopfschmerz weg war. Heute gilt: Das Gehirn braucht deutlich länger, und es gibt abgestufte Rückkehrprogramme – erst Ruhe, dann leichte Belastung, später Technik ohne Impact, erst zum Schluss wieder Randori und Wettkampf.
Ein weiteres europäisches Beispiel liefert die Britin Nekoda Smythe-Davis, die eine Gehirnerschütterung im Hinblick auf den Tokio-Zyklus als stark belastend für Körper und Psyche beschrieb. Ihre Offenheit hat geholfen, Athletengesundheit stärker zu thematisieren. Am Ende geht es um das, was Judo im Kern sein will: gegenseitiges Wohlergehen – und die Konsequenz, auch unsichtbare Verletzungen ernst zu nehmen.
Quelle: JudoInside